Dienstag, 18. September 2012

Liberty 9 - Sicherheitszone

Liberty 9 ist das Zuhause von Kendira und ihren Freunden. Das Tal ist umgeben von undurchdringlichen Schutzanlagen, die die Bewohner vor den rebellischen Nightraidern schützen sollen. Als Electorin verbringt sie hier ihre Teenagerzeit und untersteht dabei einem harten Training. Aber die Jugendlichen werden nicht nur körperlich geschult, sondern erhalten eine grundlegende Ausbildung, die sie auf ihren Einsatz im Lichttempel vorbereiten soll. Des Weiteren leben dort neben dem Aufsichtspersonal noch die Servanten, junge Menschen, die nicht zum Elector berufen worden sind und nun die ungeliebten Arbeiten für die Auserwählten tätigen. Gemeinsame Kontakte sind eher verpönt, kommen jedoch auch selten vor, da das gegenseitige Misstrauen eh viel zu groß ist.

Alles könnte ganz schön sein, gäbe es da nicht die sehr strengen Regeln. Den Servanten sind viele Dinge verboten, ebenso den Electoren. Die kleinsten Verstöße führen bereits zu harter Bestrafung, dem sogenannten Cleansing, bei dem das Gehirn durch elektronische Impulse mehr oder weniger lahmgelegt wird, oder gar dem Tod. Als Kendira den Servanten Dante bei einem solchen Verstoß erwischt, hat sie jedoch Mitleid und meldet ihn nicht. Hieraus entwickelt sich nach und nach eine Freundschaft, die von gegenseitig anwachsender Zuneigung gespeist wird. Als Benachteiligter hinterfragt Dante viele Dinge des Systems und nährt auch in Kendira stetig die Zweifel an der Richtigkeit des Geschehens und ihrer möglichen Zukunft. Weitere mysteriöse Ereignisse führen dazu, dass Kendira ihr Leben mehr und mehr in Frage stellt und letzten Endes auch ihre Freunde mit ihren Ängsten ansteckt.

Der Schreibstil von Rainer M. Schröder ist angenehm zu lesen und er versteht es, den Leser an seine Charaktere zu binden. Dabei wird die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht von Kendira in der dritten Person erzählt. Nur gelegentlich wechselt der Erzählstrang hin zu einem mysteriösen Oberen in Liberty 9, der ebenfalls mit dem System hadert und im Begriff ist, daraus seine Konsequenzen zu ziehen.

Kendira ist nicht nur hübsch und intelligent, sondern auch eine ausgezeichnete Soldatin, die es bereits in das oberste Level der Electoren geschafft hat. Zum Anfang ist ihre Welt noch in Ordnung; sie hat gelernt zu gehorchen und das System und ihr Leben nicht zu hinterfragen. Gefühlstechnisch ist sie eher zurückhaltend, was auch an ihren schlechten Erfahrungen liegen mag. Im Laufe der Geschichte interessieren sich sogar zwei Jungen für sie und buhlen um ihre Aufmerksamkeit. Deren unterschiedlicher Status machen Kendira eine Entscheidung nicht einfach und so greift sie auf ihr bewährtes Verhalten zurück und versagt sich zunächst eindeutig emotionale Reaktionen.

Auch Carson ist ein Elector, ebenfalls sehr intelligent und körperlich sehr anziehend, so dass auch Kendira sich seiner Ausstrahlung nicht verschließen kann. Er fühlt sich bereits seit längerem zu ihr hingezogen, doch bisher hat sie ihn nicht näher an sich herangelassen. Dies versucht Carson jedoch vehement zu ändern. Er steht voll und ganz hinter dem System und kann mit Kendiras Zweifeln zunächst nichts anfangen.

Währenddessen Dante schon allein aus seiner sozialen Position heraus bereits seit längerem alles hinterfragt. Gemeinsam mit seinem besten Freund macht er sich auf die Suche nach Beweisen für seine Thesen. Augrund seiner ständig wachsenden Zuneigung für Kendira versucht er, sie von seiner Auffassung zu überzeugen. Da er sich schon früh behaupten musste, hat er ein ganz anderes Auftreten als Carson und übt eine geheimnisvolle Faszination auf Kendira aus.

Ich fand "Liberty 9 - Sicherheitszone" ungeheuer spannend. Die Charaktere sind sehr ansprechend und auch die Beschreibung dieses dystopischen Zukunftsszenarios war sehr bildreich und ausführlich. Insbesondere der Vergleich mit der christlichen Religion, die ja bereits auch einige dunkle Zeiten in der Vergangenheit erlebt hat, fand ich sehr interessant. Gut gefallen hat mir auch, dass das Ende zwar offen, mit Blick auf die hoffentlich bald erscheinende Fortsetzung war, aber dennoch einen gewissen Teilabschluss hatte, so dass man nicht mittendrin herausgerissen wird und rastlos auf den Folgeband warten muss.