Mittwoch, 10. Oktober 2012

Skin Deep - Nichts geht tiefer als die erste Liebe

Bei einem furchtbaren Autounfall verliert die 14-jährige Jenna nicht nur ihre beste Freundin, sondern erleidet zudem schwere Verbrennungen in ihrem Gesicht. Selbst nach monatelanger Behandlung, inklusive einer Hauttransplantation, traut sie sich aufgrund ihrer Entstellung kaum noch aus dem Haus. Von ihren Eltern gezwungen nimmt sie inzwischen wieder am Schulunterricht teil, doch jeder Tag ist wie ein Spießrutenlauf für sie. Die anderen Kinder und selbst auch die Erwachsenen starren sie an und begegnen ihr entweder mit Mitleid oder mit Abscheu und offensichtlicher Ablehnung.

Erst als sie durch Zufall bei einem Spaziergang auf den 16-jährigen Ryan trifft, der gemeinsam mit seiner eigenwilligen Mutter mit einem Hausboot durchs Land zieht, scheint sich ihr Leben wieder langsam zu verändern. Begegnet sie auch ihm zunächst noch mit Angst und Ablehnung, verändern sich ihre Gefühle und ihr Verhalten jedoch alsbald. Nachdem er in einer häßlichen Situation eines Abends für sie offensichtlich Partei ergreift, ist das Eis zwischen ihnen vollends gebrochen und Jenna vertraut sich ihm als erstem nach dem schrecklichen Unfall an. Die beiden entwickeln freundschaftliche Gefühle füreinander, die Jenna immer mehr und mehr die Kraft geben, aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen, doch der plötzliche Mord an Steven, dem damaligen Unfallfahrer, der mit einer viel zu geringen Strafe davongekommen ist und, den Jennas Vater seitdem vehement bekämpft, bringt wieder alles durcheinander. Wer hat Steven getötet? Wird Jenna sich ihre neu gewonnene Stärke bewahren können oder werden die Verdächtigungen gegen Freunde und Familie sie erneut in die Einsamkeit zwingen?

Laura Jarratts Debütroman hat es geschafft, mich von Anfang bis Ende zu fesseln. Ich war richtig hin und weg und habe neben mir nichts mehr wahrgenommen bis ich das Ende des Buches erreicht habe.
Es ist im Präsens geschrieben, immer abwechselnd aus der Sicht von Jenna oder Ryan. Die beiden Charaktere sind dabei so ausführlich geschildert, dass ich mich unvermittelt zugehörig zur Geschichte fühlte. Jenna, die schon immer eher schüchtern, folgsam und zurückhaltend scheint, lässt sich von ihrer besten Freundin überreden, sich aufzubrezeln und mit einigen anderen in ein Auto zu steigen, dass von Steven, der Drogen und Alkohol gegenüber nicht abgeneigt ist, gelenkt wird. Die Situation eskaliert, es kommt zu einem Unfall, bei dem 2 Mädchen sterben und Jenna ihre furchtbaren Verletzungen davonträgt. Da sie nicht nur das Gefühl hat, dass alle anderen jetzt ein Monster in ihr sehen, sondern auch sie selbst mit ihren äußerlichen Veränderungen nicht klarkommt, zieht sie sich immer mehr zurück. Ihre Eltern, die voller Sorgen sind, drängen Jenna immer wieder gegen ihren Willen zurück ins "normale" Leben. Dabei erfährt sie stets neue Verletzungen, die letztendlich auf einer Party eskalieren. Jenna ergreift die Flucht, wird an dieser aber von Ryan gehindert, der ganz klar gegenüber allen anderen Stellung für sie bezieht und sich als Retter in der Not herausstellt. Hierdurch von ihm eingenommen, lässt Jenna ihn als ersten langsam näher an sich heran, so dass Ryan sie stetig weiter zurück ins Leben stupsen kann.

Ryan selbst hat bereits als Kind schon viele schlechte Erfahrungen gemacht. Als "Zigeuner" und "Penner" beschimpft oder verprügelt, hatte er nie die Möglichkeit nähere Bindungen einzugehen, zumal er und seine Mutter nie lange an einem Ort geblieben sind. Erst Cole, ein zeitweiliger Freund seiner Mutter, nimmt ihn unter seine Fittiche und dient ihm als männliches Vorbild. Trotz allem ist Ryan sehr senibel und aufgrund seines einfachen Lebens ausgesprochen bescheiden und genügsam. Dabei kümmert er sich vorbildlich um seine Mutter. Leider muss er bei ihr nur allzu oft die Rolle des Erwachsenen übernehmen, so dass er an dieser Verantwortung in seinen jungen Jahren bereits schwer zu tragen hat.
Seinem Einfühlungsvermögen ist es zu verdanken, dass er Zugang zu Jennas Gedanken- und Gefühlswelt bekommt. Er lockt sie immer mehr aus ihrer Einsamkeit heraus und gibt ihr langsam ein neues Gefühl der Selbstsicherheit. Er schafft es als einziger, ihr Aussehen komplett auszublenden und sich lediglich auf ihr Wesen, ihren Charakter und ihre Persönlichkeit zu konzentrieren.

Auch die Nebencharaktere werden hier sehr schön beschrieben. Beim Lesen wird sehr klar deutlich, wie sehr auch Jennas Familie von ihrem Unfall betroffen ist. Während ihre Mutter hier ganz klar die Stärkere ist, scheint Jennas Vater sich mit dem, was seiner Tochter passiert ist, nicht abfinden zu können und statt seine Tochter zu unterstützen, steckt er alle seine Energien in den Kampf gegen den Unfallverursacher.
Die vielschichtige Persönlichkeit von Ryans Mutter hat mir besonders gut gefallen. Von der gebildeten, selbstbewußten Frau bis hin zur egozentrischen, verantwortungslosen Mutter zeigt sie unheimlich viele Facetten, die immer wieder für eine Überraschung gut waren.

Nebenbei ist "Skin Deep - Nichts geht tiefer als die erste Liebe" vom Dressler Verlag nicht nur ein wundervoller Jugendliebesroman, der mich tief berührt hat, sondern auch gleichzeitig ein Kriminalroman. Hierbei ist das aufzuklärende Verbrechen geschickt mit der restlichen Geschichte verwoben und bildet dabei eine runde Einheit. Laura Jarratts Roman hat mir ausgesprochen gut gefallen und wird bestimmt nicht der letzte ihrer Romane in meinem Bücherregal sein.