Freitag, 5. April 2013

Lagunenrauner

Marco lebt im Venedig um 1500 und hat durch einen Brand schon früh seine Mutter verloren. Sein Vater und sein Bruder sind angesehene Meister der venezianischen Glasbläserkunst, doch um Marco scheint dieses familiäre Talent einen Bogen gemacht zu haben. Aber auch er hat eine besondere Gabe: Er kann sich mit dem Wasser verständigen. Es singt und spricht zu ihm und erzählt ihm von weit entfernten Orten. Als Marco durch ein Unglück auch noch seine kleine Schwester verliert, gibt er sich die Schuld daran und hadert seitdem mit seinem Schicksal und seinem Talent. Nicht einmal seine beste Freundin Chiara lässt er mehr an sich heran. Das Wasser ist für ihn fortan nur noch einen Feind.

Dann verschwindet auch noch sein Vater spurlos und Marco kommt bei seinem Onkel unter, während sein Bruder Angelo auf Murano verbleibt. Eines Tages entweicht plötzlich alles Wasser aus der Lagune und stattdessen nimmt den Platz ein furchteinflößender, schwarzer Nebel ein. Jeder, der damit in Kontakt kommt, scheint krank zu werden oder gar zu sterben. Das fehlende Wasser ist wie ein Loch in der Seele für Marco, doch nichts scheint es wiederbringen zu können. Als immer mehr Menschen sterben und er auch noch einer Verschwörung auf die Spur kommt, sieht sich Marco letztendlich mit seiner Gabe konfrontiert und er muss eine wichtige Entscheidung treffen. Kann er Venedig und alle, die er liebt, noch retten? Doch wem kann er vertrauen?

Meine Meinung:

Gunnar Kunz hat einen ausgesprochen blumigen und poetischen Schreibstil. Die Ansiedlung seines Romans im Venedig der Vergangenheit unterstreicht hier noch einmal diesen Effekt. Zwar hatte ich anfangs ein wenig Mühe, die ganzen italienischen Namen der Charaktere und Orte auseinanderzuhalten, aber glücklicherweise enthält der Roman am Ende eine Karte Venedigs und ein Glossar, das die wichtigsten Begriffe erklärt.

Sehr schnell fühlt man zum Protagonisten Marco eine Verbindung. Seine persönlichen Verluste und seine Schuldgefühle haben in mir Mitgefühl für ihn entstehen lassen und ihn mir rasch nähergebracht.
Verzweifelt kämpft er während des Geschehens für die Menschen, die er liebt und schreckt dabei auch nicht vor persönlicher Selbstaufgabe zurück. Seine Gabe ist für ihn hierbei Segen und Fluch. Viel zu lange hat er sie aus Schuldgefühlen unterdrückt und muss nun lernen, sie zu beherrschen.

Die vielen fantastischen Aspekte des Romans haben ihm für mich einen ganz besonderen Charme gegeben. Da versinken die Häuser Venedigs in ungeahntem Tempo im Erdboden und manchmal wechseln sie gar wie von Zauberhand ihren Standort. Lubriche - Fischmenschen - leben von den meisten Bewohnern ungeahnt gemeinsam mit der Bevölkerung in ihrem Venedig. Die Magie ist allgegenwärtig, ebenso wie der Glaube an sie, der noch nicht von der Wissenschaft gebrochen worden ist.

Doch auch eben diese Wissenschaft hält hier Einzug durch niemand geringeren als Leonardo da Vinci. Die Passagen mit ihm habe ich besonders geliebt, da der Autor ihn nicht nur sehr detailliert beschrieben, sondern auch ausgesprochen kauzig und liebenswert gestaltet hat.

Erwähnen möchte ich auch das wundervolle Cover des Buches, das allein schon mit den schönen Farben überzeugen kann. Dargestellt werden auf kunstvolle Weise die typischen Merkmale dieses Buches in Form von Venedig, der Lagune mit einer Brücke und vermutlich dem Gondel fahrenden Marco, die alle eingerahmt werden durch eine kunstvolle Maske.

Fazit:

"Lagunenrauner" von Gunnar Kunz ist ein Jugendfantasyroman, der die Vergangenheit wieder lebendig werden lässt. Hier findet man das besondere Flair von Venedig, Magie, Abenteuer und Romantik, die in gut ausgewogenem Verhältnis ihre Leser zu bezaubern wissen. Ich habe den spannenden Roman sehr genossen und mich begeistert von Marcos Schicksal fesseln lassen.






Klappenbroschur mit 432 Seiten
Verlag: Thienemann
Facebookauftritt des Verlags → HIER
Alter: ab 12 Jahren
Preis: 13,95 Euro
erschienen: 20.03.2013
ISBN: 978-3-522-20171-1
weitere Infos, Leseprobe und Einkauf über Verlag möglich → HIER
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