Montag, 11. März 2013

Schmetterling aus Staub

Das Deutschland der Zukunft gibt es nicht mehr. Ein aggressiver Virus hat einen Großteil der Menschen dahingerafft und das neu ernannte Alemania wird von einem Diktator namens Caesar geführt. Dieser hat alle Menschen in vier verschiedene Kategorien eingeteilt. Die Machtmenschen, die Ehrgeizigen, die Harmoniemenschen und die Risikos. An ihrem achten Geburtstag werden alle Kinder getestet und dann ihrer Einstufung nach zugeordnet. Viele müssen deswegen ihre Eltern verlassen und die Verzweiflung darüber ist oft groß. Als Mika sich der Prüfung unterzieht ist sie sich dessen sehr bewusst. Obwohl sie nicht die üblichen Neigungen eines Harmoniemenschen verspürt, gibt sie diese vor, damit sie weiter bei ihren Eltern aufwachsen kann. Ihr Plan gelingt und lange Jahre bleibt sie dort unbehelligt. Bis Aaron, ein entflohener Risiko, plötzlich bei ihr auftaucht und ihre Welt durcheinanderbringt. Alle unterdrückten Wünsche von Mika drohen an die Oberfläche zu kommen und sie muss eine folgenschwere Entscheidung treffen.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist eine echte Wundertüte! Ich muss zugeben, anfänglich hat es mich nicht so mitgerissen. Dass mehrere Aspekte des Buches mich an ähnliche Bücher oder auch Filmszenen erinnert haben
, hat mich eigentlich nicht so sehr gestört. Ich denke, in dem Genre war alles schon einmal da und deswegen ist es da sicherlich schwer, Ähnlichkeiten zu vermeiden.

Vielmehr hatte ich mit den Charakteren anfänglich so meine Schwierigkeiten. Zwar kommt Mika sehr sympathisch herüber und viele ihrer Reaktionen sind sicherlich ihrer Erziehung als Harmoniemensch geschuldet, aber eigentlich zeigt sie auch früh, wie sehr sie gegen das System innerlich rebelliert. Deswegen hätte ich mir gerade am Anfang zumindest ein etwas skeptischeres Verhalten von ihr gewünscht. Meiner Meinung nach ließ sie sich viel zu schnell überzeugen, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen, ausgestattet auschließlich mit einem dünnen Nachthemd, ohne Schuhe, Kleidung oder Nahrung. Sie lässt ihre komplette Familie, die sie über alles liebt, komplett hinter sich, ohne Abschied oder zurückzublicken. Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass ich an ihrer Stelle mitgegangen wäre, aber trotz allem hat es die Autorin dabei geschafft, meine Sympathie für Mika aufrechtzuerhalten.

Aaron fand ich bei seinem ersten Auftauchen einfach nicht authentisch. Wenn man bedenkt, was er alles schon erlebt hat, dann hätte ich einen reiferen, jungen Mann erwartet. Ich fand es alles andere als umsichtig von ihm, wie er Mikas Fortgang geplant hat. Denn er hat sie zumindest zum Teil vor vollendete Tatsachen gestellt und dabei nicht einmal für angemessene Kleidung oder Nahrung gesorgt. Auch später konnte ich sein Verhalten bezüglich Mika und Janna nicht so ganz nachvollziehen und sein wechselhaftes Benehmen hat mich doch ab und an gegen ihn aufgebracht.

Gut gefallen hat mir der Charakter des Finn, der sich als einziger treu bleibt und mit seinem geradlinigen Verhalten eine echte Konstante bildet. Über ihn hätte ich sehr gern noch mehr erfahren.

Zum Gück hat mich der fesselnde Schreibstil der Autorin stets durch die Geschichte fliegen lassen und dafür bin ich Anna Palm sehr dankbar. Denn nach einiger Zeit wandelte sich die Handlung, die Charaktere erhielten mehr Facetten und schon konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Die Spannung stieg stetig und gipfelte in einem Finale, dessen Ausgang ich so nicht erwartete habe.

Zwar fand ich es sehr toll, endlich mal eine Dystopie als Einzelband lesen zu dürfen und mal ausnahmsweise nicht gebannt auf den Nachfolgeband warten zu müssen, aber ich denke, dem Roman von Anna Palm hätte die Entzerrung der Geschichte in zwei Bände bestimmt sehr gut getan. Gerade am Anfang wäre es wünschenswert gewesen, die Gedanken und Handlungen der Protagonisten etwas ausführlicher zu schildern, um einen besseren Kontakt als Leser zu ihnen aufbauen zu können und ein besseres Verständnis ihrer Lebenssituation zu bekommen.
Fazit:

Der im Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienene Roman "Schmetterling aus Staub" von Anna Palm ist eine dystopische Erzählung in einem Band und bereits das dritte veröffentlichte Buch der 18 Jahre jungen Autorin. Sie wird aus der Sicht von Mika in der Ich-Form erzählt und ließ mich an den Gedanken und Gefühlen von ihr teilhaben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten nahm die Geschichte dann doch an Fahrt auf und konnte mich dann letztendlich noch fesseln, was auch dem flüssigen Schreibstil der Autorin zu verdanken ist, die in ihrem Buch kein Blatt vor den Mund nimmt. Ich bin sehr gespannt, mit welchen Werken sie uns in Zukunft noch erfreuen wird.





gebundenes Buch mit 336 Seiten
Verlag: Schwarzkop & Schwarzkopf
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 978-3-86265-251-8
erschienen am 01.02.2013
mehr Infos, Leseprobe und Einkauf über Verlag möglich → HIER
 

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