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Mittwoch, 10. April 2019

Lagunenrauner

Marco lebt im Venedig um 1500 und hat durch einen Brand schon früh seine Mutter verloren. Sein Vater und sein Bruder sind angesehene Meister der venezianischen Glasbläserkunst, doch um Marco scheint dieses familiäre Talent einen Bogen gemacht zu haben. Aber auch er hat eine besondere Gabe: Er kann sich mit dem Wasser verständigen. Es singt und spricht zu ihm und erzählt ihm von weit entfernten Orten. Als Marco durch ein Unglück auch noch seine kleine Schwester verliert, gibt er sich die Schuld daran und hadert seitdem mit seinem Schicksal und seinem Talent. Nicht einmal seine beste Freundin Chiara lässt er mehr an sich heran. Das Wasser ist für ihn fortan nur noch einen Feind.

Dann verschwindet auch noch sein Vater spurlos und Marco kommt bei seinem Onkel unter, während sein Bruder Angelo auf Murano verbleibt. Eines Tages entweicht plötzlich alles Wasser aus der Lagune und stattdessen nimmt den Platz ein furchteinflößender, schwarzer Nebel ein. Jeder, der damit in Kontakt kommt, scheint krank zu werden oder gar zu sterben. Das fehlende Wasser ist wie ein Loch in der Seele für Marco, doch nichts scheint es wiederbringen zu können. Als immer mehr Menschen sterben und er auch noch einer Verschwörung auf die Spur kommt, sieht sich Marco letztendlich mit seiner Gabe konfrontiert und er muss eine wichtige Entscheidung treffen. Kann er Venedig und alle, die er liebt, noch retten? Doch wem kann er vertrauen?

Meine Meinung:

Gunnar Kunz hat einen ausgesprochen blumigen und poetischen Schreibstil. Die Ansiedlung seines Romans im Venedig der Vergangenheit unterstreicht hier noch einmal diesen Effekt. Zwar hatte ich anfangs ein wenig Mühe, die ganzen italienischen Namen der Charaktere und Orte auseinanderzuhalten, aber glücklicherweise enthält der Roman am Ende eine Karte Venedigs und ein Glossar, das die wichtigsten Begriffe erklärt.

Sehr schnell fühlt man zum Protagonisten Marco eine Verbindung. Seine persönlichen Verluste und seine Schuldgefühle haben in mir Mitgefühl für ihn entstehen lassen und ihn mir rasch nähergebracht.
Verzweifelt kämpft er während des Geschehens für die Menschen, die er liebt und schreckt dabei auch nicht vor persönlicher Selbstaufgabe zurück. Seine Gabe ist für ihn hierbei Segen und Fluch. Viel zu lange hat er sie aus Schuldgefühlen unterdrückt und muss nun lernen, sie zu beherrschen.

Die vielen fantastischen Aspekte des Romans haben ihm für mich einen ganz besonderen Charme gegeben. Da versinken die Häuser Venedigs in ungeahntem Tempo im Erdboden und manchmal wechseln sie gar wie von Zauberhand ihren Standort. Lubriche - Fischmenschen - leben von den meisten Bewohnern ungeahnt gemeinsam mit der Bevölkerung in ihrem Venedig. Die Magie ist allgegenwärtig, ebenso wie der Glaube an sie, der noch nicht von der Wissenschaft gebrochen worden ist.

Doch auch eben diese Wissenschaft hält hier Einzug durch niemand geringeren als Leonardo da Vinci. Die Passagen mit ihm habe ich besonders geliebt, da der Autor ihn nicht nur sehr detailliert beschrieben, sondern auch ausgesprochen kauzig und liebenswert gestaltet hat.

Erwähnen möchte ich auch das wundervolle Cover des Buches, das allein schon mit den schönen Farben überzeugen kann. Dargestellt werden auf kunstvolle Weise die typischen Merkmale dieses Buches in Form von Venedig, der Lagune mit einer Brücke und vermutlich dem Gondel fahrenden Marco, die alle eingerahmt werden durch eine kunstvolle Maske.

Fazit:

"Lagunenrauner" von Gunnar Kunz ist ein Jugendfantasyroman, der die Vergangenheit wieder lebendig werden lässt. Hier findet man das besondere Flair von Venedig, Magie, Abenteuer und Romantik, die in gut ausgewogenem Verhältnis ihre Leser zu bezaubern wissen. Ich habe den spannenden Roman sehr genossen und mich begeistert von Marcos Schicksal fesseln lassen.






Klappenbroschur mit 432 Seiten
Verlag: Thienemann
Facebookauftritt des Verlags → HIER
Alter: ab 12 Jahren
Preis: 13,95 Euro
erschienen: 20.03.2013
ISBN: 978-3-522-20171-1
weitere Infos, Leseprobe und Einkauf über Verlag möglich → HIER
Website des Autors → HIER

Donnerstag, 7. März 2019

Sturmherz

Mari lebt mit ihrem Vater, dem Betreiber einer exotischen Gärtnerei, auf Westray, eine der schottischen Orkneyinseln, und liebt hier vor allem das Meer mit seiner rauen Urkraft. Bei einem ihrer Strandspaziergänge findet sie einen schwer verletzten Seehund, den sie kurzerhand mit nach Hause nimmt. Schon rechnet sie damit, dass er nicht mehr lange leben wird, da verwandelt er sich plötzlich in einen jungen Mann. Sollten die alten Legenden tatsächlich wahr sein und sie gerade einen Selkie vor sich haben? Ein Wesen, dass halb Mensch, halb Seehund ist und, dass die Menschen mit seiner Schönheit verzaubert, um ihnen dann die Seele zu rauben? Gemeinsam mit ihrem Vater versucht sie dem Selkie zu helfen, doch dieser verlässt fluchtartig das Haus und entkommt ins Meer. Fortan ist Mari getrieben von dem Wunsch ihn wiederzusehen und begibt sich immer wieder zu Plätzen, an denen sie mit seinem Erscheinen rechnet. Ihre Geduld wird auf eine lange Probe gestellt, ist aber letztendlich doch von Erfolg gekrönt. Langsam gewinnt sie das Vertrauen von Louan, der sich bereits tief in ihr Herz geschlichen hat. Auch er scheint von Mari verzaubert zu sein, doch ihr Glück währt nur kurz. Gleich von mehreren Seiten ist Louans Existenz gefährdet, denn seine Feinde schrecken vor nichts zurück. Kann es eine gemeinsame Zukunft für Mari und Louan geben?

Britta Strauss wunderschöner Schreibstil hat mich wieder einmal total verzaubert. Ihr gelingt es, wie kaum einer anderen Autorin, in ihren Büchern Gefühle zum Leser zu transportieren, so dass man sich von Anfang an mit den Charakteren verbunden fühlt und ihre Geschichte gemeinsam mit ihnen erlebt.

Und so habe ich gemeinsam mit Mari und Louan mitgefiebert und -gehofft, dass ihr Traum einer gemeinsamen Zukunft sich erfüllt, wenn er auch noch so unrealistisch erscheinen mag. Denn obwohl Louan Mari scheinbar über alles liebt, zieht ihn das Tier in ihm immer wieder hinaus in die Welt des Meeres und der Freiheit. Eine Welt, in der ihm ein Mensch nicht folgen kann und, die voller Gefahren ist.

Gut gefallen hat mir hier der Wechsel zwischen den Erzählsträngen von Mari und Louan. Man spürt beim Lesen ihre Liebe, ihre Ängste und auch ihre Verzweiflung ob der vermeintlichen Aussichtslosigkeit ihrer Situation. Bei Louans Schilderungen über sein Leben und das Schicksal der Selkie hatte ich das Geschehen so bildlich vor Auge, dass ich zeitweise gar nicht wusste, ob ich weinen oder vor Wut toben sollte. Ich war zutiefst berührt. Britta Strauss schafft es einfach immer wieder so viele Gefühle mit in einen Roman zu stecken, dass man den Eindruck hat, dass sich die Autorin hier mit ihrem kompletten Selbst verewigt und eingebracht hat.

Gleichzeitig hegt Mari immer wieder Zweifel, ob ihre eigenen Gefühle tatsächlich echt sind oder ausgelöst werden durch Louans Magie. Doch das Erscheinen der Feinde macht alles nur noch komplizierter. Diese spiegeln auf erschreckende Weise die zur Norm gewordene Grundeinstellung vieler Menschen wider. Das Streben nach Macht und Anerkennung, sowie die ausschließliche Verfolgung der höchsteigenen Wünsche ohne Blick für die Bedürfnisse und Gefühle anderer, ist meiner Meinung nach leider immer mehr auf dem Vormarsch. Doch "Sturmherz" zeigt in vielerlei Szenen auf, wohin diese Einstellung führen kann und wie schnell wir so uns und unsere Umwelt zerstören können. Auch wird hier deutlich, dass die Errungenschaften unserer modernen Technik, die auch ich in vielen Bereichen nicht missen möchte, nicht immer nur ein Segen sind, sondern auch ihren Preis fordern. Auf der anderen Seite wird einem hier die Freude an der ursprünglichen Natur wieder nähergebracht und gleichzeitig zum Nachdenken angeregt.

Das Cover des Buches hat mich gleich beim ersten Blick gefangengenommen. Seiner düsteren Atmosphäre zum Trotz spiegelt es eine Leidenschaft wider, die sehr viel über die eigentliche Geschichte aussagt.

Ich liebe Bücher mit mythologischen Hintergründen und Bücher von Britta Strauss begeistern mich ausnahmslos ebenso. "Sturmherz" ist die perfekte Kombination aus beidem, angereichert mit viel Gefühl, Spannung und Romantik. Der im Drachenmond Verlag erschienene Roman hat mich unheimlich gefesselt und bekommt von mir eine ganz klare Leseempfehlung. Solltet Ihr Euch das Buch zulegen wollen, dann kann ich nur zu der direkten Bestellung beim Verlag raten, denn nur hier erhaltet Ihr zusätzlich ein wunderschönes magnetisches Lesezeichen. Vielen Dank an den Verlag hierfür und natürlich auch für die Bereitstellung des Leseexemplars. Ich freue mich schon auf den nächsten Roman der Autorin.